Beiträge zum Tagesevangelium

Siebter Sonntag der Osterzeit

Liebe Schwestern und Brüder in unserer Pfarrgemeinde St. Gallus,

im Tagesgebet der heiligen Messe am Mittwoch der zweiten Adventswoche betet die gesamte Kirche mit den Worten: „Gib deiner Kirche die Gnade, immer und überall dein Opfer zu feiern." Diese Worte haben mich schon immer berührt, jetzt aber, zur Zeit der Pandemie, gehen sie mir besonders unter die Haut. Denn in den vergangenen Wochen und Monaten haben wir die Erfahrung machen müssen, dass die Feier der Eucharistie keineswegs selbstverständlich ist. Viele von uns haben über einen längeren Zeitraum unter Schmerzen darauf verzichten müssen. Während die Supermärkte immer geöffnet blieben und Baumärkte bald wieder geöffnet wurden, verfuhr man mit der Kirche und ihren Gottesdiensten auf eine sehr rigide Weise, was bei nicht Wenigen auf Unverständnis stieß. Als traurig wurde erlebt, dass auch die Verantwortlichen der Kirche nicht protestierend ihre Stimme erhoben, um ein vernünftiges Maß einzufordern. Inzwischen sind die Feiern der heiligen Messe wieder erlaubt, wenn auch zögerlich und mit verständlichen Auflagen.

Besonders traurig hat mich gestimmt, dass auch Vertreter der Kirche die Gelegenheit genutzt haben, die zentrale Bedeutung der Eucharistiefeiern zu relativieren und geradezu „kleinzureden". Dabei stellt das Zweite Vatikanische Konzil unmissverständlich fest, dass die Eucharistie „Quelle und Höhepunkt christlichen Lebens" ist. Sie ist damit nicht irgendeine beliebige Variante auf der breiten Palette gottesdienstlicher Angebote. Sie ist vielmehr einzig und unüberbietbar, denn sie dient in besonderer Weise der Heiligung von Menschen. Ein Verzicht auf die Feier der heiligen Messe muss deshalb mehr als sorgfältig begründet werden — auf der Seite der eingeladenen Gläubigen ebenso wie auf der Seite derer, die die Eucharistie ermöglichen, also vor allem der Priester. Es steht fest: Gottesdienst ist nicht gleich Gottesdienst! Die katholische Kirche kennt ein breites gottesdienstliches Spektrum, vor allem unter dem Oberbegriff von Wortgottesdiensten und Andachten. Aber alle diese Angebote sind nicht gleichzusetzen mit der Feier der Messe!

Wenn die noch andauernde Pandemie mit ihren Einschränkungen einen Sinn hat, dann sicher diesen, dass wir aus dem, was wir gerade erleben, lernen. Ich nehme für mich und unsere Gemeinde mit, dass wir uns in Zukunft in unserem Sprechen über den Bereich der Liturgie in Klarheit benennen, zu was wir einladen, besonders dann, wenn es um die Eucharistie geht, die Feier der heiligen Messe. Und ich möchte auch die Erkenntnis bewahren, dass wir in Zukunft keineswegs bereit sind, auf eine Messfeier zu verzichten, wenn wir sie ermöglichen können. Und ich bitte Sie darum, mich durch eine konsequente Teilnahme daran zu unterstützen.

Die Eucharistie mit dem immer neuen Erleben der heiligen Wandlung ist Quelle und Höhepunkt auch unseres gemeindlichen Lebens. Alles andere verblasst neben ihr. Deshalb die Bitte an den Herrn: SCHENKE UNS WIEDER DIE GNADE IMMER UND ÜBERALL DEIN OPFER ZU FEIERN!

Es grüßt Sie Ihr Pfarrer Blumenberg

Sechster Sonntag der Osterzeit

Gedanken zur Lesung am 6. Ostersonntag: 1 Petr 3,15-18

Eigenartig: Unzählige Male habe ich in der Vergangenheit diesen Text gelesen und gehört. Nie habe ich meines Wissens darüber gepredigt, weil er mich nicht aktuell angesprochen hat. Jetzt plötzlich macht es beim Lesen klick, und meine ganze Aufmerksamkeit bleibt an einem Vers hängen, der, obwohl über 1900 Jahre alt, wie für unsere Zeit geschrieben zu sein scheint. Im 1. Petrusbrief lese ich: “Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig!”

Christus heilig halten, das tun wir gewöhnlich in mehr oder weniger großer Gemeinschaft in unseren Gottesdiensten am Sonntag, an den großen Festen Ostern, Pfingsten, Weihnachten, in großer Öffentlichkeit mit der Fronleichnamsprozession. Seit 9 Wochen geht das alles nicht mehr. Kein Treffen mit Gleichgesinnten in der Kirche, kein gemeinsames Singen zur Orgelbegleitung, kein “Ehre sei Gott in der Höhe”, kein “Deinen Tod, o Herr, verkünden wir . . . “, kein freundlicher Friedensgruß zum Nachbarn neben mir, keine Kommunion, d. h. ja Vereinigung mit Christus.

In diesen Corona - Beschränkungen geht mir auf, was es heißt: Christus im Herzen heilig halten. Oder besser: Ich merke, ich muss mir selbst Gedanken machen, wie ich das denn allein, ohne Gemeinschaft, anstellen kann. Internet- und Fernsehgottesdienste sind ein schwacher Ersatz für die fehlende Gemeinschaft der Glaubenden. Im Internet werden viele Hilfen für Hausandachten oder Schriftlesungen angeboten. Eine gute Möglichkeit. Wer das nicht kann oder mag, zündet vielleicht eine Kerze an, geht eine Viertelstunde in sich, schaut sich die Lesungen des Sonntags an, denkt darüber nach – das kann jeder. Ich entdecke zurzeit neu das Rosenkranzgebet auf langen Spaziergängen. Andere entdecken neu das Telefon, um damit andere in ihrer Einsamkeit aufzumuntern und an ihrem Schicksal teilzunehmen. Junge Menschen entdecken in ihrer Nachbarschaft solche, die zu den “Risikogruppen” gehören und kümmern sich um ihre Bedürfnisse.

Weil das Feiern des Glaubens in der Gemeinschaft nicht möglich ist, kann uns neu aufgehen, was es heißt, den Glauben zu leben. Auf diese Weise geben wir auch und vielleicht überzeugender Zeugnis von der “Hoffnung, die uns erfüllt”, von der die Lesung auch spricht. “Christus im Herzen heilig halten”, das ist uns neu als Aufgabe aufgetragen. Es bewahrt uns vor Pessimismus und Resignation und lässt uns mit Zuversicht und Vertrauen in den nächsten Tag und die nächsten Wochen gehen. Ein Virus kann unsere sozialen Beziehungen im Griff halten, unser Leben aber liegt in Gottes Hand und ist dort gut aufgehoben.

Konrad Sindermann, Pfr. i. R.

Fünfter Sonntag der Osterzeit

Liebe Schwestern und Brüder in unserer Pfarrgemeinde St. Gallus,

mit jeder Osterzeit, die wir begehen, lassen wir uns neu auf den Auferstehungsglauben ein um ihn zu bekräftigen und zu vertiefen. Dabei ist der Hintergrund der Beschäftigung mit den Osterbotschaften in diesem Jahr durch die gegenwärtige Krise sicherlich ein besonderer.

Es ist dabei nicht nur das Wort selbst, das uns verstehen hilft. Bilder und Symbole kommen hinzu. Das Symbol, das ich ihnen heute vorschlage, um die Bedeutung von Ostern zu erfassen, ist sicher ungewohnt oder gewöhnungsbedürftig: Es ist die sogenannre Disco- oder Partykugel. Eine Kugel, die mit vielen kleinen Spiegelfragmenten beklebt ist. Diese werden von feststehenden Lichtern angeleuchtet, während die Kugel selbst sich dreht. Und so strahlen immer neue Facetten auf, während andere im Schatten sind. Vermutlich ist es bei uns genauso: bestimmte Dimensionen des umfassenden Osterglaubens sind uns und aufgrund unserer Lebenswirklichkeit mal näher, mal ferner.

Mit dem Evangelium vom 5. Ostersonntag wird eine Facette zum Strahlen gebracht, die uns besonders dann wichtig ist, wenn der Tod uns berührt hat, wenn wir einen lieben Menschen verloren haben und als Verlassene und Trauernde zurückbleiben. Es ist die Verheißung ewigen Lebens und ewiger Heimat im Hause des Vaters. Zum Gedanken von Heimat, von Zuhause gehören die Menschen, mit denen wir unser Leben geteilt haben. Und so nährt das Evangelium unsere Hoffnung auf ein Wiedersehen.

Wir alle, Lebende und Verstorbene haben Anteil am österlichen Sieg unseres Herrn, bereits in dieser Zeit und darüber hinaus. Als Kirche der Erde sind wir durch das Ostergeheimnis verbunden mit der Kirche der Verstorbenen und der Kirche des Himmels, den Heiligen. Besonders deutlich wird das in der Feier der Messe, die alle diese Dimensionen berührt und einbezieht. Wenngleich die Zusage der Erlösung durch die Auferstehung des Herrn für alle gilt und in allen Lebensumständen seine Gültigkeit hat: In der Feier der Eucharistie wird sie immer neu vertieft und spürbar. Das ist heute meine Hoffnung für uns alle: Das wir das, was uns im innersten bewegt und zusammenhält, was uns verbindet mit Christus und untereinander, schon bald und in seiner ganzen Fülle erleben dürfen. Erbitten wir es von Gott!

Es grüßt Sie Ihr Pfarrer Thomas Blumenberg

Vierter Sonntag der Osterzeit

Gedanken zum Evangelium des 4. Sonntags der Osterzeit (Joh 10,1-10)

Was wird davon in Erinnerung bleiben, wenn irgendwann die Pandemie mit dem schönen Namen Corona vorbei sein wird? Je nach Betroffenheit wird sie verschiedene Eindrücke hinterlassen, für viele aber wird die Erfahrung der verschlossenen Türen im Gedächtnis bleiben. Schulen und Kindergärten bleiben geschlossen. Angehörige, die Vater, Mutter oder Großeltern im Altenheim besuchen möchten, stehen vor verschlossener Tür, und von den Bewohnern darf niemand durch die Tür nach draußen. Durch große Fenster blickt man auf gedeckte Tische in den Restaurants, aber sie sind leer und niemand darf hinein. Verlockende Angebote in den Schaufenstern der Geschäfte wecken Bedürfnisse, aber die Türen öffnen sich nicht für einen Einkauf. Die Tür zur Kirche zwar steht offen, aber die Sakristeitür öffnet sich nicht für Messdiener und Priester. Geschlossene Türen überall. Die Verhaltensregeln für die Menschen verstärken noch diesen Eindruck: Gesichtsmasken verschließen den Mund der Menschen, die sich begegnen, Abstandsregeln erschweren eine Kommunikation, man geht sich aus dem Weg.

Jesus sagt: Ich bin die Tür zu den Schafen. (...) Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein und aus gehen und Weide finden. (...) Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Jesus, die offene Tür zum Leben. Er schlägt keine Tür zu. Nicht der Ehebrecherin, nicht dem Zöllner, nicht den treulosen Jüngern nach dem Karfreitag. Er öffnet sie weit den Kranken, den Blinden, selbst Tote finden durch sie zum Leben wie Lazarus oder die Tochter des Jaïrus.

Wenn Christ sein heißt, Jesus Christus ähnlich werden, dann sind die verschlossenen Türen in der Coronakrise ein starker Hinweis, dass wir Menschen berufen sind, einander Türen ins Leben zu sein. Türen, die den Weg frei geben in die Weite und Offenheit, und ebenso Schutz und Geborgenheit bieten. Eltern sind auf diese Weise Tür zum Leben für ihre Kinder, Lehrer für ihre Schüler, Seelsorger für alle, die durch ihren Dienst den Frieden mit sich und mit Gott suchen. Sie sind wie Türen, die den Weg ins Leben öffnen und freigeben.

Der 4. Sonntag ist immer der „Tag der geistlichen Berufe“, das Evangelium ein anspruchsvoller Maßstab für diesen Dienst. Aber auch wer keinen geistlichen Beruf ausübt, ist doch geistlich, d.h. durch den Glauben berufen, für andere Tür zum Leben zu sein. Ich wünsche Ihnen für die kommende Woche, dass Sie Menschen begegnen, die für Sie wie eine Tür sind: zu neuen Gedanken, Erfahrungen, zu tieferem Glauben; Menschen, die in diesen beengten und bedrängenden Zeiten ermutigend und wohlwollend an ihrem Weg, aber Ihnen nicht im Weg stehen – und dass Sie selbst für andere eine solche Tür sein können.

Konrad Sindermann, Pfr. i. R.

Dritter Sonntag nach Ostern

Liebe Schwestern und Brüder unserer Gemeinde St. Gallus,

herzlich grüße ich Sie mit einer Botschaft zum 3. Ostersonntag, die Sie durch die modernen Kommunikationsmittel auch zuhause erreicht. Die Osterevangelien berichten uns von Jesus, der durch verschlossene Türen tritt, um bei den Menschen zu sein. Eine schöne, mutmachende Aussage für uns, die wir jetzt in unseren Häusern wie gefangen sind und nicht den Weg zur heiligen Messe gehen können, um ihm dort zu begegnen.

Das Evangelium des dritten Ostersonntags berichtet uns vom reichen Fischfang. Die Jünger waren zunächst erfolglos, sie fingen nichts — bis sie auf Geheiß des Auferstandenen die Netze erneut auswarfen. Und jetzt waren sie zum Bersten voll!

Die Netze ebenso wie das Boot der Fischer sind Bilder der Kirche. Die Fische stehen für die Gläubigen selbst. Wir haben auch vor der Pandemie nicht die Erfahrung machen dürfen, dass unsere Gottesdienste „zum Bersten voll" waren. Aber es waren doch immer genügend Menschen da, um die Liturgie in Ihrer ganzen Fülle feiern zu können. Ein wenig sehnsüchtig denken wir jetzt an diese Zeiten der relativen Fülle zurück. Und wir geben die Hoffnung nicht auf, dass die Feier der Messen schon bald wieder möglich wird!

Zu Beginn der Pandemie habe ich mich mit Kaplan Bleckmann zu Fuß auf den Weg gemacht, um eine Wallfahrt nach Ottbergen anzutreten. Wir haben unterwegs alle Gesätze des Rosenkranzes gebetet und sind am Kreuzberg selbst den Kreuzweg abgeschritten. In der Lourdesgrotte habe ich schließlich versprochen, dass ich am Samstag vor dem Sonntag der Öffnung der HI. Messen für die Gemeinden eben diesen Weg noch einmal antrete als Dank. Und ich habe die Hoffnung, dass mich in diesem Moment viele aus unserer Gemeinde dabei begleiten. Wann das sein wird, ist heute noch ungewiss. Aber er wird kommen, dieser Tag, als ein Tag des Jubels und des Dankes. Merken Sie sich das schon einmal vor! Und beten wir schon jetzt gemeinsam darauf hin!

Es grüßt Sie Ihr Pfarrer

Thomas Blumenberg

Sonntag nach Ostern

Es ist der Sonntag, an dem uns das Evangelium den „ungläubigen“ Thomas vorstellt, der zum gläubigen wird. Dass seine Freunde ihm von der Begegnung mit dem Auferstandenen berichten, reicht ihm nicht. „Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht“ (Joh20,25) Thomas fragt nach, will sich vergewissern. Das macht ihn für uns sympathisch.

Warum sind für Thomas die Wunden am auferstandenen Jesus so wichtig? Oder anders gesagt: Warum könnte er an einen auferstandenen Jesus ohne seine Wunden nicht glauben?

Die Wunden Jesu, Zeichen seines Leidens, seiner Schmerzen, seines qualvollen Todes am Kreuz, sind die stärksten Zeichen seines Glaubens und seines Vertrauens in die Macht des Vaters im Himmel. Ein auferstandener Jesus ohne Wunden würde bedeuten: Sein Leben war sinnvoll, gottgewollt etwa bis zum triumphalen Einzug in Jerusalem. Was dann geschah, wäre sinnlos gewesen, wäre deshalb weggewischt, rückgängig gemacht. Das Leiden wäre aus dem Leben Jesu gestrichen. Ein solches Leben wäre für Thomas uninteressant, es wäre nicht Jesus.

Interessant ist für Thomas nur ein Glaube, der eine Sinngebung auch für sein und damit für unser Leben bedeutet. Und dazu gehört, wie wir täglich erfahren, auch das Leid. Wo bliebe unser Leben mit seinen Kämpfen, die wir auf uns nehmen, den körperlichen und seelischen Verletzungen, die es mit sich bringt, den Ängsten und Zweifeln, die ihre Spuren hinterlassen, wenn das alles im Tod vergessen und ausgelöscht würde? Thomas will im Glauben an die Auferstehung Jesu auch eine Sinngebung für sein ganzes jetziges Leben sehen. Darin wird Thomas einer von uns.

Die Antwort Jesu überwältigt Thomas. Er darf die Wunden sehen und berühren. Nichts ist verloren gegangen, nichts war umsonst. Das ganze Jahr hindurch erinnert uns die Osterkerze an diesen Glauben. An ihr sind die 5 Wachsnägel Symbole für die 5 Wunden Jesu. In der Osternacht werden sie in die Osterkerze gedrückt mit den Worten: Durch seine heiligen Wunden, die leuchten in Herrlichkeit, behüte uns und bewahre uns Christus, der Herr. Eine wahrhaft frohe Botschaft, die uns durch das ganze Jahr begleitet.

Konrad Sindermann, Pfr. i. R.

Ostersonntag 2020

Das diesjährige Osterfest ist ganz sicher eines der traurigsten in der langen Geschichte der Kirche. Diese Geschichte war immer auch begleitet von Kriegen und Katastrophen. Aber so verheerend diese auch waren – sie waren örtlich begrenzt. Die jetzige Pandemie aber bedeutet eine weltweite Herausforderung, und für die Kirche vermutlich ein weltweites Verbot der Feier der Liturgie, und das ist schlimm!

Was wir in diesem Jahr nicht in festlicher Weise begehen können, bleibt dabei dennoch war: Wir verlassen uns jetzt umso mehr auf die Verkündigung der Osterbotschaft und auf ihren zentralen Inhalt: JESUS CHRISTUS IST AUFERSTANDEN! ER HAT DEN TOD BESIEGT!

Diese Botschaft bedeutet Hoffnung auf ewiges Leben in aller menschlichen Todes- Verfallenheit. Sie bedeutet aber auch die Erfahrung von Auferstehung mitten im Leben, mitten im Alltag.

Ostern bedeutet: Das Leid hat nicht das letzte Wort. Der Glaube nimmt das Geschehene nicht weg. Aber er verklärt es. Und er schenkt Hoffnung auf das Wirken und Eingreifen Gottes zum Heile des Menschen schon in dieser Zeit.

Auch diese Krise wird nicht das letzte Wort haben. Wir dürfen sie irgendwann mit Gottes Hilfe überwinden. Unser Dienst besteht jetzt darin, das von Gott zu erflehen. Dabei soll unsere Welt nicht einfach zum Altgewohnten zurückkehren. Mit der Überwindung der Kreise verbinden wir die Bitte um breite Einsicht, um Läuterung und eine neue Hinwendung zu Gott, der vom Tode auferweckt zum Leben.

Gesegnete, frohe Ostern wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Blumenberg

Jesus lebt

Karfreitag 2020

Liebe Schwestern und Brüder,

haben Sie schon einmal vom „Wetterläuten" gehört? Für unsere Vorfahren war das ein fester Brauch: Wenn ein Unwetter nahte, wurden die Kirchenglocken geläutet. Sie waren den Menschen eine Warnung, sich zu bergen, und zugleich eine Aufforderung zum Gebet. Dies wurde dann verbunden mit dem Entzünden eines geweihten Lichtes.

Etwas ähnliches erleben wir nun in unseren Tagen. Der Bischof hat alle Gemeinden unseres Bistums aufgefordert, an jedem Abend um 21.00 h zu läuten, um die Gläubigen zum Gebet in der Corona-Bedrohung einzuladen. Seit einigen Wochen nun ist uns dieses Läuten vertraut. Viele haben mir gesagt, dass sie das jetzt besonders berührt und tröstet, und dass sie allabendlich darauf warten. So schön und stark dieses Zeichen der Verbundenheit für eine Kirche auch ist, die sich aktuell nicht zur Feier der Eucharistie versammeln kann - in wenigen Tagen werden wir auch darauf verzichten müssen.

Vom Gloria der Abendmahlsmesse am Gründonnerstag an schweigen die Glocken auf dem gesamten Erdkreis, der Karfreitag ist ein ernster, stiller Tag der Trauer. In dieser Stille wird uns vielleicht in diesem Jahr aber noch mehr bewusst, was Jesus für uns getan hat und was unser Glaube wert ist. Er, der Sohn Gottes, der es doch nicht nötig hat, er verzichtet und wird ein leidender und sterblicher Mensch. Er stirbt einen grausamen Erstickungstod am Kreuz. Und er schenkt jetzt denen seine besondere Nähe und Gegenwart, die wie er mit dem Tode ringen, die in Atemnot sind und in Todesängsten.

Er zeigt uns damit jene Liebe, die nicht außen vor bleibt, sondern sich einlässt, die Mitleiden ist und Mitgehen und Miterleben. Aber zugleich wird uns im Glauben an diesen Christus deutlich, dass all das nicht das letzte Wort hat, dass es nicht beim Leiden bleibt, nicht beim Kreuz, nicht beim Tod. Er geht durch sein Todesleiden hindurch, hinein in die Auferstehung. Und er nimmt uns mit!

Noch hören wir sie allabendlich, die Glocken unserer katholischen Kirchen. Sie mahnen uns zu Ernst und Stille, sie fordern uns auf zum Gebet. Aber sie rufen uns auch in die erneuerte, geläuterte und umso bewusstere Nachfolge dessen, der das Licht unseres Lebens sein will, das alle Angst und alles Dunkel überwindet.

Zur Liturgie des Karfreitag gehören die sogenannten „Großen Fürbitten" in den Anliegen der Kirche und der Welt. Auf Anweisung des heiligen Vaters werden sie in diesem Jahr um eine aktuelle Bitte ergänzt. Wenngleich die Teilnahme an der Liturgie auch nicht möglich ist, mögen sich dennoch alle Gläubigen mit dem Papst und der gesamten Kirche verbinden und dieser besonderen und flehentlichen Bitte annehmen:

Für die Opfer der aktuellen Epidemie

Lasst uns beten zu Gott, unserem Vater, für alle, die unter der Epidemie leiden, die die Menschheit derzeit quält: Er gewähre den Kranken Gesundheit, den Pflegenden Stärke, den Familien Trost und den Verstorbenen die Fülle der Erlösung.

(Gebet in Stille. Danach spricht der Priester:)

Allmächtiger, ewiger Gott,
du bist der Beschützer der leidenden Menschheit.
Sieh voll Mitleid auf die Not deiner Kinder,
die unter dieser Epidemie leiden;
lindere die Schmerzen der Kranken,
gib denen Kraft, die für sie sorgen,
nimm die Verstorbenen auf in deinen Frieden,
und lass in dieser Zeit der Drangsal alle
Trost in deiner Barmherzigkeit finden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Amen.

Blick in die Kirche Hl. Familie am Karfreitag

Palmsonntag 2020

Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche und damit die wohl dichteste Woche des Kirchenjahres - sowohl im Blick auf die Verkündigung als auch auf die Liturgie.

Palmsonntag ist ein Tag wichtiger Symbole: Jesus reitet auf einem Esel ein in seine Stadt Jerusalem. Im Gegensatz zum Pferd, dem Reittier der Krieger, ist der Esel das Tier der bäuerlichen Arbeit und damit des Friedens. Jesus ist der König, der Frieden bringt! Die Menschen erkennen das, sie stimmen ihm zu mit ihrem Jubel und streuen immergrüne Zweige vor ihm aus.

Deshalb weiht die Kirche an diesem Tag die Zweige und sogenannte Palmbuschen, die uns dann das ganze Jahr begleiten. In diesem Jahr bekommen sie eine ganz besondere Bedeutung: Grün ist die Farbe der Hoffnung. Und Hoffnung brauchen wir jetzt! Hoffnung auf das Ende der Pandemie und der tiefen gesamtgesellschaftlichen Krise, die damit einhergeht.

Ich werde die Liturgie am Palmsonntag allein feiern und dabei eine größere Anzahl an Palmzweigen und auch schon kleine Osterkerzen weihen. Unsere Gemeindekirchen sind in dieser schwierigen Zeit für Sie bewusst für das persönliche Gebet geöffnet. Und das ist in diesen Tagen vor allem anderen nötig. Denken Sie bei dem Besuch unserer Kirchen bitte an das Versammlungs- und Kontaktverbot (Abstand 2 m) von mehr als 2 Personen.

 Grün ist die Hoffnung. Geben wir die Hoffnung nicht auf, dass wir mit dem kommenden Osterfest eine Gnade erhoffen können. Die Gnade, schon bald wieder als Gemeinde die Liturgie zu feiern, in der wir Christus begegnen und einander.

Ihr Pfarrer Blumenberg

Palmsonntag 2020 - Detfurth (1)

Palmsonntag 2020 Detfurth (2)

Palmsonntag 2020 - Heilige Familie

Hier noch ein Blick in unsere Kirchen, die auch zu Palmsonntag geschmückt und für Sie geöffnet sind.

Gedanken zum Evangelium des 5. Fastensonntags

Zwei Worte aus dem Evangelium von der Auferweckung des Lazarus bleiben in diesen Coronavirus – Zeiten in mir hängen. Man hört und liest von verschiedenen Begründungen und Verschwörungstheorien zur Erklärung der Pandemie: Die USA hätten das Virus nach China und Iran gebracht, um diese Länder zu schwächen. Oder: Die Natur rächt sich für die Gewalt, die ihr Menschen antun. Oder: Gott straft die Menschheit für das Böse, das überhand genommen hat in der Welt.

Im Evangelium heißt es: „Jesus weint“ vor dem Grab des Lazarus. Das kommt nicht oft vor. Nur zwei Mal im ganzen Neuen Testament. Und immer geht es um den Tod anderer Menschen, nicht um Jesu eigenes Leid. Jesus spricht nicht von Strafe, er weint angesichts des Todes. Er ist im Innersten erschüttert Er weint heute mit denen, die einen lieben Menschen durch das Virus verloren haben. Er weint mit denen, die in den Intensivstationen um ihr Leben kämpfen. „Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er lebt“, heißt es in der Bibel. „Ich bin gekommen, dass sie das Leben haben“, sagt Jesus an anderer Stelle.

Das zweite Wort: „Lazarus, komm heraus!“ Komm heraus aus dem, was dich gefangen hält: der Tod, das Grab, die Binden. Vieles hält uns gefangen in diesen Wochen. Nicht nur die Ausgangssperre in unseren Wohnungen. Die Trauer um die Toten hält viele gefangen, die Sorge um die Gesundheit, die Sorge um den Arbeitsplatz, die Angst vor der Ungewissheit, Egoismus macht sich breit, Hamsterkäufe. „Kommt heraus“, ruft uns Jesus zu. Heraus aus dem, was euer Denken und Handeln beengt, bedrängt und gefangen nimmt. Jesus ruft nicht zum Leichtsinn, aber zum Vertrauen auf den Gott des Lebens.

In einem Pfarrbrief las ich neulich, nach einer Aufzählung, was alles abgesagt ist in diesen Tagen:

- Die Sonne ist nicht abgesagt.

- Der Frühling ist nicht abgesagt.

- Lesen ist nicht abgesagt.

- Musik ist nicht abgesagt.

- Telefon ist nicht abgesagt.

- Glaube ist nicht abgesagt.

- Hoffnung ist nicht abgesagt.

- Liebe ist nicht abgesagt.

- Beten ist nicht abgesagt.

„Kommt heraus und lasst euch losbinden von allem, was euch gefangen hält.“ ruft uns der Herr zu. Lassen wir uns herausrufen aus den Gedanken und Ängsten, die uns lähmen. Von dem, der auch weint, aber doch „die Auferstehung und das Leben ist.“

Konrad Sindermann, Pfr. i. R.