Stolperstein für Joseph Müller

Erinnerung an einen mutigen Pfarrer aus Groß Düngen

Noch gut kann sich Rosa Maria Ziegenbein an die Begegnungen mit Pfarrer Joseph Müller erinnern, der kurze Zelt als Geistlicher in Groß Düngen tätig war. "Pfarrer Müller ist ein aufgeschlossener Mensch gewesen, der sein Leben dem lieben Gott gewidmet hat", erklärt die 97-jährige Zeitzeugin. Joseph Müller war neben seiner Tätigkeit als Seelsorger aber auch ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus. Seine Haltung gegen Hitler und das NS-Regime kostete ihn am Ende das Leben.

Wegen eines politischen Witzes wurde er 1944 durch den Volksgerichtshof in Berlin zum Tode  verurteilt. Pfarrer Müller wurde im Zuchthaus Brandenburg-Görden am 11. September 1944 hingerichtet. Vor der Groß Düngener Kirche St. Cosmas und Damian erinnert nun ein Stolperstein an den christlichen Märtyrer des 20. Jahrhunderts.

Wegen der Corona-Pandemie konnte der Künstler Gunter Demnig als Initiator des Projektes den Stein aber nicht persönlich in den Boden setzen. Mit den kleinen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Mittlerweile sind sie in über 1200 Kommunen in 20 Ländern Europas zu entdecken.

Im Stadtgebiet von Bad Salzdetfurth ist es der erste Stolperstein. "Der Nationalsozialismus ist an der Stadt nicht spurlos vorübergegangen. Es ist wichtig, sich gegen das Vergessen zu wenden", betonte Bad Salzdetfurths Bürgermeister Björn Gryschka. Ein großes Lob richtete der Verwaltungschef an die Arbeitsgruppe im Stadtrat, die sich seit zwei Jahren unter der Leitung von Joachim Sturm dem Thema des Nicht-Vergessens widmet. "Wir setzen damit ein dauerhaftes Zeichen und bekennen uns zur Geschichte. Es werden damit Bürger gewürdigt, denen damals Unrecht geschehen ist", machte Gryschka deutlich.

Ortsbürgermeister Marc Busche bedankte sich bei der Arbeitsgruppe für ihr Wirken und erinnerte auch an die regelmäßigen Gottesdienste am Todestag von Joseph Müller. "Sein Name ist hier im Ort sehr präsent, nicht zuletzt durch die Joseph-Müller-Grundschule", so Busche. Ebenso ist eine Straße nach dem Geistlichen benannt. Busche freut es, dass der Stolperstein in der Sichtachse zwischen dem Pfarrhaus, der Kirche und dem Grab einen Platz gefunden hat. Der Ortsrat habe die Aktion unterstützt und auch finanziell den Weg geebnet.

Die zweite Gedenksteinlegung erfolgte eine Stunde später vor dem Haus Unterstraße 65 in der Kernstadt Bad Salzdetfurth. Dort wird dem jüdischen Ehepaar Hans und Margarethe Dammann gedacht, das ebenfalls Opfer des Nationalsozialismus wurde. Diese Gedenksteinlegung wurde von Hanne Dockhorn begleitet, die im Rahmen einer Facharbeit die Geschichte der Familie aufgearbeitet hat.

Text: Michael Vollmer

Quelle: Hildesheimer Allgemeine Zeitung